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Milliardengrab Landesbank

 Antje Wagner, Sprecherin der Grünen im Landkreis München

"Die Energiekonzerne in Deutschland schlagen vor, die Risiken des Rückbaus über eine öffentlich-rechtliche Stiftung auf die Allgemeinheit zu verlagern. Jahrelang haben E.on, EnBW, Vattenfall und RWE gut mit der Atomkraft verdient. Jetzt wollen sie die Kosten auf die Allgemeinheit verlagern. Denn es bestehen erhebliche Zweifel, ob die Rückstellungen in Höhe von 30 Milliarden die für den Rückbau vorgesehen sind ausreichen. Die Konzerne dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen, sie müssen für den Rückbau selber aufkommen.

Die Gewinne wurden privatisiert und die finanziellen Risiken sollen auf die Allgemeinheit umgelegt werden.
Wir Grüne werden darauf achten, dass die SteuerzahlerInnen nicht betrogen werden.
"

 

Antje Wagner
Sprecherin des Kreisverbands


Nie wieder Tschernobyl!

Eine dokumentarische Reise in den Super-GAU

„Nie wieder Tschernobyl! Eine Reise in den Super-GAU" - so lautet der Titel eines bewegenden Lichtbildvortrags, den Antje Wagner und Markus Büchler nach einer Reise in die sogenannte "Todeszone" um den Reaktor anlässlich des 25. Jahrestages der Katastrophe zeigen.
Die Termine der Vortragsreihe waren schon viele Wochen geplant, ehe die schrecklichen Ereignisse im japanischen Atomkraftwerk Fukushima dem Thema eine traurige Brisanz verliehen.

 

„Todeszone" von Tschernobyl

 

Die beiden Grünen-Mitglieder Antje Wagner, Mitarbeiterin der Landtagsabgeordneten Susanna Tausendfreund, und Markus Büchler, Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Dr. Toni Hofreiter fuhren im Sommer 2010 in die Ukraine, um sich die Folgen der Reaktorkatastrophe vor Ort anzusehen.

 

Wenn bis heute Wild und Schwammerl in Bayern durch den Super-GAU in der Ukraine vor 25 Jahren spürbar radioaktiv belastet sind, wie schlimm müssen dann erst die Folgen für die Menschen vor Ort gewesen sein - damals und heute? Dieser Frage sollte auf der Reise nachgegangen werden. Jetzt möchten die beiden Reisenden mit ihren erschreckenden Bildern aus Tschernobyl, die sie in ganz Bayern im Rahmen von Veranstaltungen der Grünen halten, den Widerstand gegen die Laufzeitverlängerung der deutschen AKWs bestärken.

 

Die Reise führte die Atomkraftgegner nach Tschernobyl und Pripjat. Pripjat ist die am stärksten von der Nuklearkatastrophe getroffene Stadt, drei Kilometer nördlich des AKWs gelegen. Diese ehemals 50.000 Einwohner zählende Stadt ist heute, wie weite Teile des benachbarten Weißrusslands und des russischen Bezirks Brjansk evakuiert, entsiedelt, für immer unbewohnbar.

 

Anhand von Archivaufnahmen und Videosequenzen zeigten Antje Wagner und Markus Büchler auf, was nach der Katastrophe von den Sowjets zunächst an Lösch- und Aufräumarbeiten geleistet werden musste. Erste und wichtigste Aufgabe war, den Graphitbrand zu löschen, dessen hochradioaktive Rauchfahne ganz Europa massiv bedrohte. Helikopter der Roten Armee warfen Tausende Tonnen Sand, Blei und Zement ab, unter Lebensgefahr für die Besatzungen. Pripjat wurde schon 30 Stunden nach der Havarie aufgegeben. Binnen zweier Stunden transportierten 1200 Bussen alle 50.000 Einwohner ab. Es blieb indes nicht bei der Evakuierung von Pripjat. Wie sich herausstellte, waren riesige landwirtschaftlich geprägte Gebiete unbewohnbar geworden. 350.000 Menschen mussten letztendlich für immer ihre geliebte Heimat verlassen. Ihre Dörfer wurden zum Teil mit schwerem Räumgerät dem Erdboden gleichgemacht.

 

Für immer unbewohnbar

 

Die Aufräumarbeiten, die „Liquidation der Folgen" wie es im Amtsrussisch heißt, umfassten das Aufsammeln der am stärksten strahlenden Gegenstände in der Region um Tschernobyl sowie den Bau des Sarkophags, einer Ummantelung des explodierten Reaktors. Die meist freiwilligen Helfer werden demnach Liquidatoren genannt. 800.000 Männer und Frauen waren im Einsatz und setzten ihr Leben aufs Spiel. Ein Beispiel: Da ferngesteuerte Roboter aufgrund der Strahlenbelastung ihren Dienst versagten, mussten die durch die Explosion verteilten Bruchstücke vom Dach der benachbarten Gebäude manuell mit dem Spaten entfernt werden. Die Strahlenbelastung war so hoch, dass die Arbeiter, die sich „Bioroboter" nannten, maximal 40 Sekunden auf dem Dach aufhalten durften. Danach war ihre Lebensdosis an Strahlung erreicht. Sie bekamen eine Urkunde, ein paar Hundert Rubel und durften nach Hause fahren. Wer von uns würde freiwillig oder auf Befehl für 40 Sekunden auf dem Dach von Isar 1 Kernbrennstäbe und seine Lebensdosis Radioaktivität sammeln wollen? Was wäre, wenn niemand diese unausweichlich notwendige Aufgabe übernimmt?

 

Der Lichtbildvortrag zeigt die Stadt Pripjat heute. Die Einfallstraße, einst ein vielbefahrener Boulevard gleicht einem Forstweg. Links und rechts sind Birken, Erlen und Weiden aufgeschossen, die vielstöckigen Wohnblocks sind kaum erkennbar. Von der Aussichtsterrasse eines Hotels erhält man einen Überblick über die verwilderte Stadt. Der Bildspaziergang führte durch Kulturpalast, Kino, Schwimmbad, Turnhalle. Die Zeit ist hier 1986 plötzlich und unfreiwillig stehen geblieben. Alle Menschen sind weg. Für immer. Es herrscht Totenstille in der Stadt, gespenstisch, unwirklich.

 

Einzig die Natur kann sich hier ohne menschliche Einflüsse bestens entfalten. Die Rückeroberung der aufgelassenen Landschaften durch die Natur ist ein einmaliger und spannender Vorgang für Biologen und Ökologen. Riesige Tierpopulationen haben sich entwickelt, darunter Wölfe, Elche, Luchse, Wildschweine, Rotwild, Nager und viele andere. Sogar das vom Aussterben bedrohte Przewalski-Pferd fand hier eine neue Heimat. Inwieweit die Strahlung die Tiere schädigt ist umstritten. Klar ist nur eines: es gibt genau eine Spezies, die mit der Strahlung sicher nicht zurecht kommt - das ist der Mensch.

 

Der Rundgang durch Pripjat führte die Besucher des Vortrags weiter zum Vergnügungspark, der zum 1. Mai 1986 hätte eröffnet werden sollen. Das Riesenrad, die Schiffsschaukel, der Autoscooter, auf die sich die Kinder gefreut hatten, sollten sich aber nie in Bewegung setzen. Sie wurden zum Symbol für den tragischen Verlust aller Hoffnungen und Zukunftspläne der zumeist jungen Bewohner dieser neu aus dem Boden gestampften Retortenstadt und bleiben als Mahnmal stehen, bis der Rost sie zusammenfallen lässt.

 

Pripjat Schule  Es geht weiter in Schule und Kindergarten, den traurigsten Orten des visuellen Rundgangs. „Schützen wir unsere heimatliche Natur!" steht auf einer roten Fahne, heruntergerissen im Staub am Boden liegend. Der Naturschutz war, wie bei uns, in den Achtzigern auch in der Sowjetunion ein wichtiges Thema. In der Aula des Schulgebäudes zeigt sich ein Meer aus Kindergasmasken. Diese Masken, aus Furcht vor einem Giftgasangriff des Westens stets bereit gehalten, wurden den Kindern am Tag nach der Explosion und vor der Evakuierung aufgesetzt. Natürlich schützten sie nicht vor Strahlung, vermindern aber immerhin die Inhalation radioaktiven Staubs.
Die Bilder aus dem Kindergarten sind ergreifend. Die Kinderspielsachen in den Gruppenräumen, die Puppen, die Kuscheltiere, die Rutscheautos: alles steht spielbereit da, aber das Berühren ist streng verboten. Die Strahlung ist zu hoch. Nie wieder wird ein Kind die Puppen in die Hand nehmen können. Der Bildervortrag führte durch Kindertoiletten, Kinderwaschraum und Kindergarderobe zum Schlafsaal, wo die Betten für immer auf müde Kinder warten. Was mag aus den Kindern geworden sein, die hier geschlafen haben? Wieviele von ihnen werden Schilddrüsenkrebs bekommen haben, Operationen und Chemotherapien durchlitten haben und bis heute an den Folgen leiden? Genaue Zahlen gibt es nicht, da die Bewohner in alle Teile der Sowjetunion verzogen sind. Immerhin gibt es amtliche Statistiken über Krebsraten in den umliegenden Gebieten Weißrusslands, Russlands und der Ukraine außerhalb der Sperrzone. Diese sind erschreckend. Insgesamt ist mit 30.000 bis 60.000 zusätzlichen Todesfällen durch Krebs zu rechnen. Hinzu kommen Todesfälle durch andere Krankheiten wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Krankheiten aber auch durch Selbstmord.  

 

Der Besuch der Sperrzone ist für jeden, der sich für die Risiken der Atomkraft interessiert, lohnend. Den Anblick des Kinderspielzeugs, die Gasmasken, die gespenstische Leere in der Stadt werden die beiden Reisenden nicht vergessen und bleiben vielleicht auch im Gedächtnis der Besucher des Vortragsabends hängen.

 

Wer sich über das unendliche Leid der 350.000 entwurzelten Evakuierten und der 800.000 Liquidatoren informiert hat, kann in Fragen der Atomkraft nicht mehr schwanken und zögern. Auch wenn von den Profiteuren der Atomreaktoren noch so oft behauptet wird, unsere AKWs seien sicher:

Alleine der Gedanke an einen Flugzeugabsturz auf einen Atomreaktor macht sofort klar: Atomkraft ist unverantwortlich, Atomkraft verzeiht keine Fehler! Deshalb kann es nur eine Reaktion auf Tschernobyl und Fukushima geben: weg von der Atomkraft, hin zu erneuerbaren Energien.

 

Antje Wagner, Markus Büchler
Antje Wagner, Markus Büchler

 

 

 

Maryna Mudra

Auf mehreren Veranstaltungen berichtete die Zeitzeugin Maryna Mudra in bewegender Weise über ihre persönlichen Kindheitserinnerungen zur Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Foto: Markus Neumann

 

 

mit Igor Pismenski

In München traten Antje Wagner und Markus Büchler zusammen mit dem ukrainischen Liquidator Igor Pismenski auf, der als Hubschrauberpilot 1986 unter Lebensgefahr half, den verheerenden Graphit-Brand im havarierten Block 4 des Tschernobyler AKW zu löschen. Der Einsatz von Herrn Pismenski, der ihm und vielen seiner Kameraden die Gesundheit kostete, rettete unzählige Menschenleben und bewahrte ganz Europa vor noch weit schlimmerer radioaktiver Verstahlung.

 

Weitere Infos im Internet

 

Aktuelle Ergänzung: Reise nach Fukushima (Ankündigung)

 

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