"Wir hätten nie gedacht, dass Tschernobyl bei uns passieren kann!"
Antje Wagner und Markus Büchler vor Ort in Fukushima

Die beiden Sprecher der Grünen im Landkreis München, Antje Wagner und Markus Büchler (im Bild vorne Mitte), waren vom 27.10.-5.11. auf Einladung der japanischen Grünen in der Region Fukushima. Die japanischen Kollegen boten die Möglichkeit, sich vor Ort über die Folgen der Atomkatastrophe zu informieren.
Unterwegs mit einem Mietwagen konnten die beiden in die evakuierte Zone vordringen, Strahlenmessungen durchführen, Bodenproben entnehmen und vor Ort Opfer der Atomkatastrophe treffen und befragen.
Sie trafen zum Beispiel diese Damen, in deren Ort eine riesige Container-Siedlung entstanden ist, in der jetzt "vorübergehend" die Menschen untergebracht sind, die aufgrund von Verstrahlung oder Tsunami-Schäden ihre Häuser aufgeben mussten. Vor allem der Bericht über die ersten Tage nach dem 11. März lässt auf eine recht zweifelhafte Informationspolitik schließen: Jodtablette, die vor der Aufnahme radioaktiven Jods schützen, wären vorhanden gewesen. Die Stadtverwaltung hat sie nicht verteilt, um die Menschen nicht zu "verunsichern"! Eine der Damen sagte: "Wir hätten nie gedacht, dass so etwas wie in Tschernobyl hier bei uns passiert!"
Die beiden Grünen-Sprecher sprachen auch mit diesem Unternehmer, der in der Küstenstadt gerade erst fünf Geschäfte aufgebaut hatte. Er ist enttäuscht von der Schadensregulierung. Momentan bleibt ihm nur ein Geschäft, Kunden und Mitarbeiter sind weg. Wer zahlt seine Kredite? Wer zahlt die Zeit für das Anlernen neuer Mitarbeiter? Und wer fährt in kontaminiertes Gebiet, um dort einzukaufen oder Essen zu gehen?
Bodenprobe für das Umweltinstitut München: Hier in der zwangsevakuierten Zone in der Nähe der Stadt Iitate - das einst mit dem Spruch "das schönste Dorf Japans" um Touristen warb - ist es interessant, näheres über die Art der Kontamination der Böden zu erfahren. Bis zu 160 µSv/h werden gemessen. Auch im Stadtpark der 250.000 Einwohner zählenden Stadt Koriyama gibt es einen Hotspot, der die Bewohner sehr besorgt. Der Boden ist belastet mit 4 µSv/h. Was wird das Umweltinstitut bei der Analyse finden?
Nachdem die beiden Grünen-Kreisvorsitzenden im August 2010 nach Tschernobyl gereist waren, hatten Sie einen Lichtbildvortrag mit dem Titel „Nie wieder Tschernobyl - Eine dokumentarische Reise in den Super-GAU" zusammengestellt, den sie inzwischen an 40 Abenden in ganz Bayern vor mehr als 1.500 Besuchern zeigten. Die Vorträge erlangten aufgrund der tragischen Atomkatastrophe in Japan im Frühjahr 2011 und der nachfolgenden Atomausstiegsdebatte eine ungewollte Aktualität.
Die Solidarität ist unglaublich groß, in dem erdbebenerfahrenen Land finden sich nach einer Katastrophe sofort zahlreiche Helfer, die bei den Aufräumarbeiten helfen. Im Bild Hiroshi Maruyama aus Kobe, der nach dem großen Erdbeben damals auf die Hilfe seiner Landsleute zählen konnte und nun selbstverständlich bei den Aufräumarbeiten in der Region Fukushima zur Verfügung steht.

Die Reise nach Japan sollte außerdem auch Bild- und Videomaterial für einen neuen Vortrag für atompolitische Veranstaltungen der Grünen in Bayern erbringen. Eine neue Vortragsreihe mit über 30 Terminen ist im Januar 2012 angelaufen. Antje Wagner und Markus Büchler möchten die Folgen der Katastrophe, die Schicksale der Betroffenen mit einem persönlichen Bericht zeigen und die Unverantwortlichkeit der Atomkraftnutzung vor Augen führen. Schließlich sind wir erst ganz am Anfang des Ausstiegs. Noch laufen 9 Reaktoren, in mehreren Nachbarländern sollen neue Reaktoren gebaut werden und noch ist kein Endlager für den Atommüll in Sicht.







