Termine der Grünen im Landkreis München
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Kirchheimer Mitteilungen: Oktober 2005
Herzlich willkommen im Wundermöbelland!
In unmittelbarer Ortsnähe, auf dem Gelände zwischen Postverteilzentrum (Aschheim) und Autobahn, wird es bald ein neues Möbelhaus geben. Es wird ein Wohnkaufhaus, ein Kaufhaus mit 50000 qm Verkaufsfläche sein, in dem man neben Möbeln auch alles, was irgendwie mit Einrichtungsgegenständen im engeren und weiteren Sinn zu tun hat, kaufen kann. Auch ein hauseigenes Restaurant ist geplant. Ein Handwerkermarkt hat ebenfalls bereits sein Ansiedlungsinteresse bekundet. Es sollen angeblich 600 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, auch wenn die meisten davon wohl lediglich 400 Euro-Arbeitsplätze mit wenig sozialer und finanzieller Absicherung werden. So ähnlich ist es den ehemaligen Mitarbeitern des Karstadt Möbelhauses auf der Münchner Theresienhöhe geschehen, denen nach Übernahme durch Lutz neue Arbeitsverträge angeboten wurden – zu erheblich verschlechterten Konditionen und teilweise unter den durch das Betriebsverfassungsgesetz erlaubten Vorgaben. Wer nicht Überstunden mit weniger Lohn und weniger Urlaub akzeptieren wollte, der durfte gehen.
Es wurden Verkehrsgutachten erstellt, die belegen sollen, dass die umliegenden Gemeinden nicht mit einer erheblichen Verkehrszunahme zu rechnen hätten. Angeblich würde auch der Zuliefererverkehr über die nahegelegene Autobahn, die sowieso schon extrem überfüllt und längst über ihre erlaubten Kapazitätsgrenzen belastet ist, geführt. Wer in Kirchheim oder Heimstetten wohnt, der weiß, welchen unerträglichen und bis an die Grenze der Belastbarkeit gehenden Lärm die Autobahn – trotz Schallschutzmaßnahmen – macht. Auch die Kirchheimer werden laut diesem Gutachten – zu dem der Gemeinderat trotz Aufforderung keine Stellungnahme abgab – mit ca. 700 Autos täglich zusätzlich belastet werden. Am Ende werden es, wie immer, viel mehr Autos werden. Und damit wird der Straßenverkehr zusätzlich unsicherer, abgesehen von der steigenden Umweltbelastung.
Der Neubau des Wohnkaufhauses wird nicht mehr zu verhindern sein, zumal er mit Eile auf Seiten des Aschheimer Gemeinderats durch alle gemeindlichen Instanzen gepeitscht wird. Wichtiger ist aber, dass das Angebot des Kaufhauses so umfangreich werden soll, dass auch lokale Kleinunternehmer und Geschäftsleute aus Kirchheim-Heimstetten unter dem Sortimentsdruck erheblich leiden könnten. Nicht nur die Gastronomen. Und das beträfe nicht nur das REZ. Noch mehr Kaufkraft würde aus dem Ort hinausgetragen und in Form von noch mehr Möbeln (die übrigens nicht selten von chinesischen Arbeiterinnen und Arbeitern unter für unsere Verhältnisse unsozialen Verhältnissen und zu Dumpingpreisen, die hierzulande Arbeitsplätze kosten, hergestellt werden) wieder in den Ort hinein. Sicherlich fördert Wettbewerb das Geschäft und ist zunächst gut für den Verbraucher. Doch: brauchen wir wirklich noch ein Möbelhaus? Vor allem eines, dass Billigjobs bringt, die zuvor richtige Arbeitsverhältnisse waren? Zu bedenken ist auch die Verkehrszunahme und die Gefahr einer Verödung der Gewerbesituation im Ort, zusätzlich zum ungebremsten Raubbau an unserer Lebensgrundlage, der Natur, beispielsweise in Form der massenhaften Abholzung der für uns alle lebenswichtigen Wälder. Im Moment wird angeblich überlegt das Sortiment möglicherweise nicht so groß werden soll wie ursprünglich geplant. Und das wäre besser für die Kirchheimer Gewerbetreibenden und die Bürger, die nicht irgendwann für alles den Ort verlassen müssen. Tragen Sie deshalb mit Ihren Anfragen und Ihren Bedenken an die Gemeinde dazu bei, dass wenigstens eine Sortimentsbeschränkung stattfindet und damit die Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Arbeitsplätze im Ort eher gesichert bleiben und nicht auch noch mehr Geschäfte aus dem Ort abwandern. Und: könnte das nicht auch den Planungen hinsichtlich der geplanten Ortsmitte entgegenlaufen?
Ulli Pesch für Die Grünen in Kirchheim
Veröffentlicht in den Kirchheimer Mitteilungen im Oktober 2005






