Termine der Grünen im Landkreis München
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Kirchheimer Mitteilungen: September 2005
Ökologie als Garant für mehr Beschäftigung?
Immer wieder hört man, dass Ökologie zwar gut und schön sei, doch weil man der Arbeit Vorfahrt einräumen müsse, sei es ab und an schon einmal notwendig, Ökologisches etwas hinten anzustellen. Dabei ist es genau umgekehrt – und viel zu selten wird der Öffentlichkeit gesagt, was das wirklich bedeutet.
Deshalb einige Fakten dazu: Beispielsweise der Ölpreis, der zurzeit bereits um die Marke von 70 $ pro Barrel (das sind knapp 160 l) liegt – und weiter steigen wird. Nicht, weil im Golf von Mexiko viele Förderanlagen brach liegen, die Öl für die USA liefern, sondern weil der Zenith der Ölförderung erreicht ist und gleichzeitig die durstiger werdenden Verbrauchermärkte Indiens und Chinas mit ca. 2 Milliarden Menschen zunehmend Öl benötigen.
Schon heute wird für vier Liter Öl, die verbraucht werden, nur noch ein Liter neu gefunden. In das größte Ölfeld der Welt in Saudi Arabien, dass in den 60er Jahren entdeckt wurde, müssen täglich eine Milliarde Liter Wasser gepumpt werden, damit überhaupt noch genügend Druck aufgebaut werden kann, um das Öl fördern zu können! Alle führenden unabhängigen Energieexperten und Erdölgeologen sind sich einig: Mit den Ölfördermengen geht es seit diesem Jahr abwärts – auch wenn es vielleicht noch 20 Jahre dauern wird, bis der letzte Tropfen aus der Erde gepumpt wurde. Die jüngst angekündigte Erhöhung der Gaspreise um 15 % sollte uns ebenfalls zu denken geben und zum Handeln veranlassen.
Es ist höchste Zeit, sich nach anderen Energiequellen umzusehen. Wohl wissend, dass wir uns auf die Ölverknappung einstellen müssen, hat die Rot-Grüne Bundesregierung bereits vor Jahren die entsprechenden politischen Weichen gestellt und Maßnahmen eingeleitet. Sicherlich musste es, wie bei anderen neuen Technologien auch, eine Anschubförderung des Staates geben, um einer Technologie die erforderliche Gravitation zu geben, damit sie sich selbst tragen und fortentwickeln kann. Diese Subventionen wirken erst zeitverzögert. Der Energieexperte Professor Ernst Schrimpff hat übrigens errechnet, dass die staatliche Förderung der erneuerbaren Energien jeden Bürger im Jahr 2003 ganze 3 € kostete, während die indirekte Unterstützung der Atomenergie (über die steuerfreie Verzinsung der Rückstellungskosten) den Bürger jährlich 5,50 € kosten und die Staatssubventionen für die Kohleverstromung sogar bei 43,60 € pro Bürger und Jahr liegen. Selbst die großen Ölkonzerne geben heute öffentlich zu, dass eine andere Energiepolitik betrieben werden muss – weg vom Öl und hin zu umweltverträglicheren, regenerativen Technologien. Erst vor kurzem hat die Allianz angekündigt, die Investitionen in erneuerbare Energien in den nächsten fünf Jahren auf 500 Mio € zu erhöhen. Die Schäden durch unser unverantwortliches Handeln sind rein versicherungstechnisch zu hoch geworden! Und nicht umsonst fördern deutsche Automobilkonzerne wie DaimlerChrysler Großprojekte, um beispielsweise aus dem Öl der Purgiernuss oder aus Raps Treibstoff für PKW herstellen zu können.
Heute werden in Deutschland knapp 10% des gesamten Energieaufkommens über regenerative Energiequellen erzeugt. Eine Menge, die vor Jahren noch von allen Experten für undenkbar gehalten wurde. Und sie soll langfristig auf über 20% erhöht werden. Neue Technologien und Maßnahmen werden darüber hinaus den Strombedarf senken helfen. Deutsche Unternehmen sind mit ihrem Wissen in diesen Technologien weltweit führend. Deutsche Umwelttechnologie ist zu einem Exportschlager geworden – und wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Im Bereich regenerativer Energien wurden in den letzten Jahren mehr als 130 000 Arbeitsplätze geschaffen! In keiner anderen Branche gibt es ansatzweise Vergleichbares! Selbstverständlich lösen diese Technologien noch nicht das große Problem der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland. Doch wir stehen erst am Anfang. Wenn für Entwicklungen in diesen Bereichen, egal ob bei Pflanzenölen als umweltverträglichem Treibstoff, bei Solarenergie, Geothermie, Windenergie und anderen regenerativen Energieformen, in Deutschland dauerhaft ein guter Nährboden vorhanden ist, dann werden Unternehmen hierzulande Hunderttausende neuer Arbeitsplätze schaffen können. Auf diese Weise trifft uns auch die Globalisierungsfalle nicht so hart.
Deshalb sind alle politischen Versuche, von wem auch immer, die begonnene Symbiose zwischen nachhaltigem Umweltschutz und langfristiger Energiepolitik, die zu dauerhaftem Wohlstand für uns alle führt, zu stören und wieder auf längst veraltete und überholte Technologien zu setzen, nicht nur unverantwortlich, sondern schädlich für alle Bürger hier und im Rest der Welt. Wir können und dürfen uns eine kurzsichtige Politik nicht leisten! Wir müssen – es gibt keine Alternative dazu – uns dieser Realität stellen und mit ihr konstruktiv umgehen! Nur so sichern wir unsere Zukunft und die der nachfolgenden Generationen. Es ist nicht mehr nur Fünf vor Zwölf! Gehen Sie deshalb am 18. September zur Wahl!
Die Grünen in Kirchheim
Veröffentlicht in den Kirchheimer Mitteilungen am 14. September 2005






